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AKTUELL


Was machen die eigentlich hier? Was machen die hier eigentlich?

Eine Wandzeitung am Medienhaus der UdK Berlin

Im Haus Grunewaldstraße 5–2, dem sogenannten Medienhaus der UdK Berlin, wird u.a. der Studiengang Visuelle Kommunikation gelehrt, der, neben Grundlagen des Entwerfens, die Entwurfsbereiche Grafikdesign, Illustration, Visuelle Systeme, Werbung, Ausstellungsgestaltung, New Media und Bewegtbild vereint.

An drei aufeinander folgenden Vorgängerinstitutionen der heutigen UdK Berlin – der sich damals am Einsteinufer befindenden Akademie für Graphik, Druck und Werbung, AGDW (bis 1971), der Staatlichen Hochschule für bildende Künste, SHfbK (bis 1975) und der Hochschule der Künste, HdK (bis 2001) – wurde in den Jahren nach 1968 das Projektstudium Visuelle Kommunikation initiiert und weiterentwickelt, dessen grundlegende Struktur den Studiengang bis heute prägt. Im heutigen Studiengang Visuelle Kommunikation beschäftigen sich, so die offizielle Beschreibung, Studierende u.a. „mit Planung, Realisierung und Vermittlung sichtbarer Informationen in zwei oder drei Dimensionen“.

Weitgehend in Vergessenheit geraten ist, dass die Struktur des Studiengangs auch einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Ausrichtung der Studieninhalte und Studienziele entsprang. Kontroversen zwischen marxistisch und nicht-marxistisch orientierten Studierenden und/oder Dozenten, hinauf zu Hochschulleitungen und -politikern, entfachten sich in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren insbesondere an der politischen Rolle grafisch vermittelter, visueller Kommunikation.

Entgegen Werbewirtschaft und „Bürgerlicher Presse“ zugeschriebenen Interessen an einem funktionalistischen Ausbildungsverständnis des „Werbegrafikers“, dessen Aufgabe alleine in der Verkaufsförderung ästhetisch ansprechend gemachter Produkte bestünde, wurde von marxistischer Seite als Alternative „eine an gesellschaftlichen Bedürfnissen orientierte Informationsgrafik“ postuliert. Ziel war „eine mit künstlerischen Mitteln hergestellte ,visuelle Kommunikation’ im gesellschaftlichen Auftrag, also Mitteilungen, die nicht einstimmen (für den Kauf), sondern stimmen“ (Arbeitsgruppe Kunsthochschuldidaktik der NGBK, 1977).

Themen und Schlagworte wie „Kritik der Warenästhetik“, „Statt Persuasion Information“ oder „Analyse der Kommunikationsverhältnisse“ wurden in diesen Kontroversen geprägt und fanden seinerzeit als Lehrinhalte Eingang in den Studiengang. Gleichzeitig wurde, aus marxistischer Perspektive, die Bildende Kunst als der Kultur- und Bewusstseinsindustrie dienendes Instrument der herrschenden Klasse definiert. Teil der Diskussion war es, anhand des „aufklärerisch“ gedachten neuen Studiengangs Visuelle Kommunikation das Berufsbild des für die Werbewirtschaft arbeitenden „Gebrauchsgrafikers“ durch Lehrerinnen und Lehrer zu ersetzen, die ein gesellschaftskritisches Schulfach Visuelle Kommunikation mit dem Ziel unterrichten sollten, das als „bürgerlich-idealistisch“ geschmähte Prinzip der „Kunstpädagogik“ abzuschaffen.

Im Jahr 2015, also nach Postmoderne, Systemtheorie, Pop, 89/90, Globalisierung, Neoliberalismus und der Digitalisierung in den Gestaltungsberufen, erschien es nicht uninteressant, diese verschütt gegangene Geschichte der UdK Berlin und des Studiengangs Visuelle Kommunikation auszugraben, um zu betrachten, was davon mit der Gegenwart korreliert und kollidiert.

Das im Wintersemester 2014/15 im Studiengang Visuelle Kommunikation veranstaltete Doppelseminar Was machen wir eigentlich hier? / Was machen wir hier eigentlich? hat sich in diesem Sinn theoretisch und angewandt mit jener Geschichte der Visuellen Kommunikation beschäftigt. Texte, Publikationen, Filme und grafische Arbeiten aus den Jahren um 1970 waren Ausgangspunkt einer Analyse historischer wie aktueller Debatten um die Ausrichtung von Kunst- und Designausbildung.

Im offenen Stil einer Wandzeitung (als typischem Medium visueller Kommunikation im öffentlichen und hochschulöffentlichen Raum um 1970) haben Studierende des Seminars an der an das Haus Grunewaldstraße 5–2 anschließenden Mauer entsprechende Themen aus heutiger Perspektive visualisiert. Eine Interpretation des Mediums der Wandzeitung als solchem war dabei Teil der Entwurfsarbeit, ebenso wie der Umstand, dass diese Mauer durch Graffiti, Tags, Aufkleber und andere Plakate bereits in kommunikativem Gebrauch ist.

Mit grafischen Arbeiten von Elias Hanzer, Timm Hartmann, Lucas Liccini, Jessica Mester, Majada Ramadan, Marie-Luise Scheffzük und Lena Wessel.

Seminarleitung: Martin Conrads, Franziska Morlok

Anschlag der Wandzeitung: Mittwoch, 22. April 2015, 17–19 Uhr.

Die Wandzeitung bleibt für die Dauer der nächsten Monate plakatiert. Eine Modulation der Arbeiten seitens Dritter ist an dieser exponierten öffentlichen Stelle (jedoch) zu erwarten.


Mediendenken2 texturen2 Buchvorstellung.jpg Buchvorstellung "Forum zur Genealogie des MedienDenkens Bd.2" und "texturen Nr. 2"

Wir laden herzlich zur Buchvorstellung des zweiten Bandes der Dokumentation des "Forums zur Genealogie des MedienDenkens" ein. Wie schon bei Band 1 werden wir diese gemeinsam mit den Kollegen der texturen-Buchreihe begehen.

http://genealogy-of-media-thinking.net

Donnerstag 16. April 2015, 19 Uhr, Aula, Gru 110


PV WS14 15.jpg SEMESTERERÖFFNUNG UND VORSTELLUNG DER LEHRANGEBOTE

Montag 13. April 2015, 10 Uhr, Aula, Gru 110: Studiengang Visuelle Kommunikation
Montag 13. April 2015, 12 Uhr, Aula, Gru 110: Studiengang Kunst und Medien